Season 2/2026 – Warum ich mein iRating investiere

Ich gebe es offen zu: Ich hatte einen Durchhänger.

Privat war viel los, ich war dauermüde – oder bin es vielleicht immer noch – und vor allem hatte ich Angst. Angst, mein iRating zu versauen. Also habe ich das gemacht, was sich in dem Moment „richtig“ angefühlt hat: trainieren, trainieren, trainieren. Aber nicht fahren.

Rückblickend ist das eigentlich kompletter Quatsch.

Denn was bringt dir Training, wenn du das Risiko vermeidest?

Mit Beginn der neuen Season habe ich mir deshalb eine andere Denkweise auferlegt. Vielleicht ist iRating gar nichts, das man beschützen muss. Vielleicht ist es eher etwas, das man einsetzen sollte.

Ich investiere mein iRating, um besser zu werden.

Mit genau dieser Einstellung ging es für mich in die erste Woche – Okayama. Eine Strecke, die ich mag. Guter Flow, rhythmisch, eigentlich perfekt, um reinzukommen. Und bewusst habe ich den McLaren erstmal stehen lassen. Nicht, weil er schlecht ist – sondern weil er mich aktuell zu viel kostet. Diese permanente Ballerei, dieses ständige am Limit fahren… das ist anstrengend. Und genau da bin ich in den letzten Rennen oft eingebrochen.

Also Mustang. Meta-Auto, rein da.

Nach zwei Tagen Training stand eine 1:27,4. Schnell, reproduzierbar, eigentlich genau das, was man will. Und trotzdem fühlte es sich irgendwie… leer an. Also weiter getestet. Lambo, AMG, Porsche. Alles in einem ähnlichen Bereich, ein paar Zehntel hin oder her. Mit dem Porsche war ich sogar am schnellsten.

Aber irgendwas hat gefehlt.

Dann kamen zwei Autos ins Spiel, die ich bisher komplett ignoriert hatte: Audi und Corvette. Die Corvette habe ich mir eher aus einer Laune heraus geholt – ohne große Erwartungen. Und genau das war vielleicht der entscheidende Punkt.

Denn plötzlich war da ein Gefühl, das ich lange nicht mehr hatte.

Kontrolle.

Ich war nicht sofort schnell, ganz im Gegenteil. Aber das Auto hat sich so ruhig, so berechenbar angefühlt wie kein anderes. Mein Active Pedal hat perfekt darauf reagiert, alles war nachvollziehbar. Die erste Woche wurde damit weniger zu einer Jagd nach Bestzeiten – sondern zu einer Findungsphase.

Und dann kam Fuji.

Für mich sowieso eine Lieblingsstrecke. Technisch, abwechslungsreich, einfach ein geiler Flow. Ich hatte mich im Vorfeld auf den AMG festgelegt – und ja, ich war schnell. Eine 1:38,5, absolut konkurrenzfähig, irgendwo im Bereich von 3k bis 5k Fahrern.

Aber Rennen erzählen immer die Wahrheit.

Topsplit, Start von P7. Und dann? 20 Minuten kämpfen. Schwimmen. Arbeiten. Ruderarbeit am Limit. Ich kam nicht vorwärts, ich kam nicht zur Ruhe. Am Ende war ich komplett durchgeschwitzt und wusste genau: So kann es nicht weitergehen.

Zum ersten Mal habe ich mir ehrlich die Frage gestellt: Fahre ich eigentlich das richtige Auto?

Bisher war meine Antwort immer einfach: das schnellste.

Heute weiß ich: Das ist falsch.

Also habe ich alles rausgenommen. Kein Druck, kein Delta, keine Erwartungen. Einfach ins Rig gesetzt, Corvette geladen und rausgefahren.

Ein paar Runden zum Reinkommen. Und dann plötzlich dieser Moment.

Alles passt.

Der Flow, das Gefühl, die Kontrolle. Ich fahre einfach – und der Spotter nennt mir eine Zeit. Schneller als mit dem AMG. Ohne Pushen. Ohne Kampf. Einfach so.

Das war der Punkt, an dem es Klick gemacht hat.

Also direkt ins Rennen.

Topsplit. P2.

Keine Incidents, keine wilden Korrekturen, kein Überfahren. Einfach durchgezogen. Und das Entscheidende: Die durchschnittliche Pace war deutlich besser als mit dem AMG.

Nicht die einzelne Runde hat den Unterschied gemacht.

Sondern die Konstanz.

In meiner aktuellen Euphorie würde ich fast sagen: Ich habe mein Auto gefunden. Eins, das ich nie auf dem Zettel hatte. Eins, das vielleicht nicht das „sexieste“ im Feld ist.

Aber eins, das sich richtig anfühlt.

Und am Ende ist genau das entscheidend.

Diese Woche ist die Corvette gesetzt.

Nächste Woche wartet entweder Sachsenring oder The Bend. Und ich merke jetzt schon: Ich bin heiß. Wirklich heiß.

Und vielleicht ist das das beste Zeichen überhaupt.

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